Faktencheck: Ist Telegram die bessere Alternative zu Facebook?

In einem Posting auf Facebook, das u.a. von der “Freien Presse” verbreitet wird, wird behauptet, dass Telegram die bessere Alternative zu Facebook sei. Der Aufruf zum Wechsel von Facebook zu Telegram enthält eine Reihe von Behauptungen.

Ich habe vier von ihnen in einem kurzen Faktencheck überprüft:

  1. “Auf Facebook wird einfach bestimmt, was wahr ist und was nicht.”

    Das stimmt eher nicht. Facebook beschäftigt in verschiedenen Ländern, zum Beispiel auf den Philippinen, sogenannte “Cleaner” – siehe die gleichnamige ARTE-Doku. Cleaner arbeiten in großen Teams, die kritische Inhalte überprüfen und ggf. löschen. Diese Teams kümmern sich aber in erster Linie um Inhalte, wie Gewaltdarstellung, verbotene Pornografie, Volksverhetzung etc., deren Verbreitung in dem jeweiligen Land strafbar sind. Dazu sind Anbieter wie Facebook laut den Gesetzen in Deutschland verpflichtet.

    Daneben wachen in Facebook-Gruppen Moderatoren und Admins auf die Inhalte und entfernen diese, wenn sie zum Beispiel gegen die Gruppenregeln verstoßen. Sie können auch Mitglieder sperren und aus der Gruppe entfernen.
    Auch Telegram löscht Inhalte, zum Beispiel Ende 2015 78 Kanäle, auf denen Propaganda für den sogenannten “Islamischen Staat” gemacht wurde. Auch de Funktion, mit der Nutzer kritische Inhalte melden können, wurde danach deutlich verbessert.
  1. “Es werden auf Telegram immer mehr. Wer nicht auf tele ist, bekommt vieles nicht mehr mit, was hier so los ist.”

    Das stimmt eher nicht. Facebook ist ein Soziales Netzwerk mit ca. 2,5 Milliarden monatlich aktiven Nutzern weltweit, also Leuten, die mindestens einmal im Monat Facebook nutzen. Telegram ist ein Messenger-Dienst, der sich langsam zur Social-Media-Plattform weiterentwickelt. Er hat über 400 Millionen monatlich aktive Nutzer (Stand 24. April 2020). Das ist etwa ein Sechstel der aktiven Facebook-Nutzer. Es ist eher unwahrscheinlich, dass auf es Telegram Themen gibt, die es bei Facebook nicht gibt, aber es ist nicht unmöglich.

  2. “Dort bestimmen nicht irgendwelche NGOs, welche Inhalte noch deinen privaten Kontakten gesendet werden, analysieren dein Verhalten, wie bei whats(spy)app oder bestimmen, was wahr ist und was nicht.”

    Das stimmt so nicht. Bei Facebook und WhatsApp bestimmen keine NGOs, welche Inhalten an private Kontakte gesendet werden. Es gibt NGOs, wie zum Beispiel Correctiv, die für Facebook Faktenchecks machen, zum Beispiel zu kontroversen Inhalten, die massiv auf Facebook geteilt werden. Aber diese NGOs bestimmen nicht, welche Inhalte verbreitet werden. Die Hinweise auf Faktenchecks werden nur zu den umstrittenen Inhalten eingeblendet, sobald diese geteilt werden, quasi als redaktioneller Hinweis auf die Faktenlage.

  3. “Es hat auch deutlich mehr Funktionen und über 500 Millionen Leute sind bereits da.”

    Das stimmt so nicht, Telegram hat eine andere Struktur als Facebook, es hat andere, aber nicht mehr Funktionen. Telegram hat sich vom Messenger zur Social-Media-Plattform entwickelt. Telegram verspricht keine Weitergabe der Daten an Dritte und keine Werbung, die Nutzung ist gratis. Eine verschlüsselte Kommunikation ist über “geheime Nachrichten” möglich, eine Möglichkeit, die Oppositionelle, aber auch Kriminellen und Terroristen nutzen. Normale, nicht-geheime Nachrichten sind den Betreibern von Telegram im Prinzip zugänglich. Beides bringt staatliche Akteure, Geheimdienste, Polizei und Strafverfolger auf den Plan. So haben zum Beispiel russische Behörden (bislang ohne Erfolg) versucht, die Nutzung von Telegram in Russland zu blockieren. In China, Iran und Indonesien gab und gibt es es Zensur-Blockaden, da Telegram dort als Alternative zu den staatlich kontrollierten Messaging-Diensten genutzt wird. Einen Beleg für über 500 Millionen Mitglieder habe ich nicht gefunden, Telegram selbst spricht von über 400 Millionen weltweit (siehe Punkt 2).

    Helge Denker

Quellen: Wikipedia-Eintrag zu Telegram

t3n.de: „Telegram hat jetzt 400 Millionen Nutzer